Trier, 17.04.2015

Wie geil is bitte DAS?! Über die Hunsrück Höhestraaß nach Trier! Jochensche, häss dau dann scho eppes gess? Meister Gäde & ich sind grosse Fans von Eddy Reitz' mächtigen "Heimat"-Epen und denken kilometerlang an Schabbach und die Simon-Sippe. Naja, ist 'ne andere Geschichte. In Trier haben wir Zeit für Stadtbummeln. Wie schon tags zuvor versuche ich, Kempowskis "Tadellöser & Wolff" zu erstehen (Empfehlung von Jochen), aber nichtmal die 3stöckige Mayersche Buchhandlung hat's da. Independent Recordshops scheint's auch nicht zu geben, aber wir schauen nochmal bei "Tante Guerilla" rein, genau dem richtigen Etablissement für die solvente und style-aware'e Punkperson of today. Da hat sich Winnie, unser heutiger Front-Of-House-Ingeniör, der uns einen super Sound zwirbelt, bestimmt auch sein Black-Flag-Waistpocket gekauft. Warum fällt mir erst jetzt ein, dass ich nach Stramplern, gar Black-Flag-Stramplern hätte schauen können?

 

Die internen Auffassungen bzgl. des heutigen Konzerts gehen auseinander. Ich fühlte mich zum 1. Mal warm und wäre jetzt so richtig im Sattel gewesen für 'ne Latte weiterer Gigs, aber morgen geht's schon wieder heim. Der CD-Player sprang bei 3 Nummern, OK. Wenn sonst nix is, is DAS. Klar, es hätten mal wieder mehr Leute da sein können. Andererseits: Die, die da SIND, haben sich nicht verirrt und nehmen uns halt so mit, sondern kennen die Alben oder Stücke davon und wollen uns sehen. Das macht uns froh & dankbar. Danke auch an EXTREM IST IN für's Als-Erste-spielen!

 

Aber die HipHop-Party im anderen Gebäudeflügel, Digger, DA sind 10x soviele. "In Trier gehen nur Metal und HipHop", erklärt man uns. Ach so. Der Korridor, den wir durchqueren müssen, um zum Waschraum zu kommen, überschneidet sich mit der Amüsierzone: Ich gestehe, dass ich es ein bißchen genieße, mir in all meiner gloriosen Afterschau-Runtergewohnheit zähneputzend und mit dem Kulturbeutel unterm Arm meinen Weg durch Selfies knipsende 18jährige zu bahnen. Und zum ersten Mal gelingt es mir, die Oropäxe so dezidiert in die Kanäle zu prömmeln, dass ich ausser hypertonischem Pochen NICHTS höre. Das ist ganz gut so, denn der letzte MC präsentiert laut Billing morgens um 4 seine Skills - aber ich bin trotzdem schon zehn nach sechs wach. Ich schlaf' einfach schlecht auf Tour. Ohrstøpsel raus, draussen zwitschert die Frühschicht, drinnen rodet Gäde einen Wald. Wir laden ein und headen für die Autobahn. Stulle & ich verstehen was falsch und machen einen Abstecher nach Luxembourg. Später verrecken wir Höhe Wuppertal im Stau. Unserm Vordermann zieht es die Kraft aus den Füssen, und er lässt mitten auf der Steigung sein Auto rückwärts gegen den Logan rollen. Glaubt nun aber, WIR wären IHM DRAUFGEFAHREN. Ist das schon Relativitätstheorie? Wir beharren natürlich auf unserer Raumzeitwahrnehmung. "Isch soll dat glauben, woll?" Stulle kann die Pampigkeit kaum noch zügeln. Dann sieht der Mann aus Geilenkirchen's ein, und is ja auch nix passiert.

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