Stuttgart/Karlsruhe, 15./16.05.2015

"Laßt Euch die Suppe gut schmecken", prostet der Concierge Jochen und Lars zu, bezugnehmend auf das Tellertomatengericht aus dem Hotel-Automaten, in dem ein paar unmotivierte Croutons herumtingeln. Gespräche über Fahrräder mit Hilfsmotor und über 1980, als Stuttgart Vollbeschäftigung hatte ("Heute immer noch gut!"). Wer hier arbeiten will, der findet auch Arbeit. Ich kriege von all dem nichts mit in meinem Einzelzimmer des Hotels "Hansa", das wir uns, anknüpfend an den Umstand, meistens in maritimen Etablissements Poofen gelegt zu werden, heute mal geleistet haben. So geht ein mukkeliger Tag zu Ende.

 

Dabei hatte es nervig angefangen: Raus aus der Erfurter Kommodigkeit, rein nach Schaffeschaffe-City. Stuttgarts Verkehrsführung hat was von einem pedantischen Oberlehrer, dessen pädagogische Konsequenz sich mit sadistischen Anwandlungen mischt: Jeder Navigationsfehler wird rigide bestraft, next chance for a U-turn in 10 kilometers. Jegliche Autonomiebestrebungen führen unweigerlich zu Straßenbahnbeef. Am Ende finden wir das "Goldmarks" und lassen uns -schwupps!- ins gut geschmierte Räderwerk einer effizient rotierenden Rockmaschine reinsaugen. Die Stadtautobahn führt quasi direkt durch den Backstagebereich, wo wir unseren Support DIE SÄULEN DES KOSMOS auf einen Humpen Spaghetti Bolo und'n paar Drinks einladen. Gespräche über die Stuttgarter Szene, Erfahrungen mit Nazi-Kloppe und darüber, dass z.B. SOCIAL DISTORTION scheisse sind.

 

Die Unendlichkeit verschwindet im Unendlichen. Was bleibt: Unendlichkeit. UN-END-LICH-KEIT! Mit angeekeltem Gesicht, durchdringender, doppelt mikrofonierter Einpeitscherstimme und so gerade eben noch die Contenance im Zaum haltenden Gestus deklamiert der HUMANABFALL-Sänger auf den Laptop-Elektro seines Kollegen krude Kosmo-Satire. Bei der einem allerdings das Lachen immer wieder im Halse stecken bleibt bzw. sich lieber gleich unterm Zwerchfell zusammenrollt. Alle irren Wahrheitenverkünder unserer zerrissenen, gegeneinander aufgebrachten Welt in einer Performance. Sehr, sehr gut. Platte auf SOUNDS OF SUBTERRANIA kommt, aber dieses Duo muß man vor allem GESEHEN haben.

 

110 Zahlende, es rumst endlich mal richtig. Der beste Auftritt dieses Tour-Beins. Ich kann das Klingeln von Gädes Handkurbelkasse bis auf die Bühne rauf hören. Dann wieder den Rumänen mit Equipment füttern, down in the tube station at midnight, incl. vorbeihuschender Ratten. Aus dem frühmorgendlichen Junkfoodverzehr wird nix, alles zu bzw. nix da. "Wir sind hier in Stuttgart. Hier wird gearbeitet." Sagt der Concierge.

 

Nur 80 Kilometer zu fahren, wir sind früh in Karlsruhe. Bei "Discover Records" steht man, wenn man nicht aufpasst, immer mit einem Bein im Plattenkarton. Mächtig vollgestopfter Shop. Gäde und ich schaffen es leider nicht, einen Beitrag zur Verringerung der allgemeinen Vinyl-Dichte zu leisten: Er will nix, und ich hab schon alles.

 

Endlich wieder im KOHI. Hier hätten wir schon längst mal wieder spielen sollen, einmal mußte kurzfristig ausfallen, heute ist der Laden voll und die Stimmung knorke. Peter, unser Mischer, klebt an meine sämtlichen Becken Gaffa-Zippel, damit's nicht so scheppert. Fallen während des Auftritts alle ab, bzw. ich MACH' die alle ab. Als ich mich auf der engen Bühne mal wieder in irgendwas verheddere, eine meiner Specialities, falle ich ziemlich unglamourös auf den Arsch und nehme dabei ein Drittel des Schlagzeugs mit. Wir suhlen uns in einem Meer aus Anerkennung und fühlen uns geliebt. Geiler Abend mit echten Menschen, der einem mal wieder einleuchtend erklärt, warum man den ganzen Quatsch macht. Danke, Tom, danke KOHI, danke alle. ❤❤❤. Danke auch an die Frau aus Luxembourg, deren Ahnin ein Téte-á-Téte mit einem der Coca-Cola-Geheimrezeptöre hatte und der der "Postsexuell"-Covercartoon verdächtig bekannt vorkam. Danke dem Mann, der bei "Leb so" weinen mußte. Danke, daß wir so leben können. Hit the North.

 

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