Hamburg, 11.06.2015

Layton, der Hausingeniör des Molotows ist der abgebrühteste Typ mit Afro-Tonsur, den ich je erlebt habe: Vermittels exakt auf die Welt des Schalls abgestimmter, harter, trockener Stoßlaute lockt er die 500-Kilohertz-Rückkoppelung aus der PA wie ein Reh aus dem Wald. Mischen tut uns heute freundlicherweise René, von dessen Künsten Toddi & ich vor 100 Jahren bei Purge schon profitieren durften. Er wird uns einen Sound machen, so gut, wie wir ihn selten haben. Eigenen Pultbeherrscher dabeihaben wär' schon super, aber wie sollen wir den mitkriegen? Soll der sich im Logan in der Kickdrum zusammenrollen?
Überhaupt: Ein Abend unter neuen und vor allem alten Freunden, ein Abend im Zeichen von "Lange nicht gesehen!". Selbst mein Hausarzt ist da. Nach dem Gig habe ich von meinem neuen Blutdruckmedikament einen derart trockenen Mund, daß ich vor Durst fast vergehe, und es drängt mich dauernd, ihm das zu sagen. Aber der ist ja hier nicht auf der Arbeit, der hat ja frei. Zum Trinken komme ich dann sowieso nicht, weil es gesprächsmäßig zugeht wie im Taubenschlag.
Subwoofer unter der Bühne haut uns immer das halbe Line-Up auseinander, CD springt. Wir befestigen den Player (und die Lampe zum Anleuchten des mikroskopisch kleinen Displays) vermittels eines irgendwie satanisch aussehenden Mahnmals für die Klebebandindustrie an der Wand, und es funktioniert wie Bolle. OK, wie Bolle vielleicht nicht, wie Zwille auf jeden Fall. Aber erstmal TAUCHER, mit denen wir heute zu unserer Freude zusammenspielen: Geknüppelte Rockmusik mit deutschen Texten; eigentlich kein Punkrock und wenn doch, dann impliziert durch die Vitae der Musiker. Und am Ende dann doch auch wieder durch einen hörbaren Einfluß. Hörbar wie ein Echo. Eine Band, die vital und energetisch zwischen die Stühle grätscht und sich nichts daraus macht, daß es wehtun könnte. Sehr, sehr gut. Möge es sie noch lange geben!
Unser Auftritt ist dann vielleicht nicht der konzentrierteste und aufdenpunkteste, den wir je hatten, aber es rumst ganz ordentlich. Wir leeren den gesamten Liedersack und lassen uns wie Majestix durch den gut gefüllten Saal tragen. Danach trödeln wir ziemlich rum, weil das allgemeine Aftershow-Gesäusel heute besonders nett ist. Jochen läßt sich von der Molotow-Tippse noch zeigen, wie man 'ne vernünftige Rechnung schreibt, dann gibt's €€€ und ab auf die 7 mit uns. Vor Kiel hängt morgens um 4 ein roter Halbmond im Dämmerungsdunst flach über'm Horeisen, leider bin ich zu doof, ihn zu fotografieren.

 

 

 

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