Bonn, 20./21.04.2016

Fü-, äh, Kaiser-, äh, FABELHAFTES Wetter in Bonn, als wir nach dem Frühstück aus der katholischen Suchtklinik tapsen, in der wir übernachtet haben. Toffter Pennslot mit Sichtbalken, gerahmten Setlisten von Bands, die ich nicht kenne, an der Wand und 80%igem Absinth, der vor knapp 9 Stunden seinen Teil dazu beitrug, daß aus einer romantischen Nacht mit mir & Matze Koch in Valeskas Schwesters Poofe nichts wurde. Johannes-Benedikt, unser Herbergsvater, wird sich überlegen, ob er fortan versucht, sein bei Kaffee und Veggie-Wurst-Kroasong entstandenes Alias "Bonn-JoBee" unters Volk zu bringen. Top Typ.

Rewind: Warum haben AC/DC nicht die Fischer gefragt? DIE hätte das gekonnt. Die kann ALLES. Und für den mainstreamkulturierten Volkskörper hätte das ein unschlagbarer Win-Win-Crossover werden können. Angeblich soll Brian Johnsons Ohrtrabbel ja nichtmal der Hauptgrund für seine Überführung in den Rocker-Rentenbezug gewesen sein, sondern der Wunsch, mit 68 Lenzen mal etwas kürzer zu treten, 2 Gigs am Stück und dann ersma 'ne Dreiviertelwoche Off. SO WIE WIR quasi. Vielleicht hätte der Bock, uns durch Europa zu karriolen...Natürlich nur, wenn Matze Koch keine Zeit hat.
Doch wen interessieren schon AC/DC in der Gegenwart? Wie mein Amp-Reparatör letztens sagte, als wir in seinem Flur auf dem fadenscheinigen Teppich standen: "Die Sachen mit dem neuen Sänger gefallen mir nicht so gut."

Überhaupt aber ERST RECHT nach 8 Stunden Gewürge auf der Infrastruktur-Maßnahme, die der Mann, der heute Geburtstag hat, gebaut haben soll, ist es ein bißchen wie Freundebesuchen, wenn man im BLA ankommt. Valeska ist da, Michi ist da, und überraschenderweise ist mein Kieler Freund A. mit Lebensteilstückgefährtin G. AUCH da. Der freundliche Mann, der letztes Mal seinen Urlaub in FL verlegte, um uns zu sehen, wird später ebenfalls zugegen sein und eine erstaunliche Menge weiterer, mittlerweile bekannter Gesichter. Läuft gut zwischen Bonn und LaPaloma. Sogar ein Rudel Franzos_innen kommt anflaniert und weiß nicht, was Trumpf ist. Galanterweise kann Matze Koch mit der in französisch verfaßten Promoprosa für Freiburg (übermorgen) aushelfen: "Ah, une groupe de Punk?" gibt sich der Rädelsführer interessiert. "Austausschüler aus Marseille", kombiniert Gäde mit der Grandezza des mit den Wassern aller Ozeane und Friedhofstümpel gewaschenen Kosmopoliten. Haute-Cuisine-Junkfood auf Valeskas Kappe in der "Frittebud", und schon is wieder Stagetime. Eine Sekunde vorm 1. Ton überreicht uns Jule vom "Leb so dass es alle wissen wollen"-Shop noch Präsente aus dem Sortiment. Ich bekomme einen "Glamrock"-Untersetzer (Foto folgt) & bin gerührt.

Trotz Mittwochabend und gleichzeitig publicly viewable'n DFB-Pokal-Halbfiliale ist die Hütte voll, und die Crowd hat Bock. Wir natürlich auch. Zumindest mich haben das Leben und die Autobahn heute in einen diskreten Verblödungszustand geschaukelt und der Astralleib macht Zicken: Mikro-Texthänger, Makro-Armbeschwerden. Schleimbeutelentzündung. Hatte mir auf der Raste "Tecklenburger Land" schon zwei kleine Flaschen Sprudel gekauft, weil der abwertend agierende Orthopäde mir zur Hausaufgabe gegeben hatte, damit beim Fernsehen stereo zu pendeln; naja, und weil ich Durst hatte natürlich. Auf Tour kannste nix für Deine Gesundheit tun, da drehen die 6 Pfund Obst, die ich vor 80 Kilometern beim "Rewe" in Königswinter erstand, auch nix dran. Was also tun? Drogen nehmen, klar. Ich hab Diclofac dabei, Paracetamol, Novalgin, Tigerbalsam, Sälbchen für'n Po und für die Füß'. Ich werde durchkommen.

Gibt sowieso keinen Grund zur Klage, denn das Konzert ist ein einziger Triompf: Nichtmal von einem heute makellos geklöppelten "HalloLebenAus" lassen sie sich downcoolen. Ich reiße mich, verstrahlt und euphorisiert, dazu hin, den Song meinen Kindern zu widmen, die zu diesem Zeitpunkt Hunderte von Kilometern weit weg sind und hoffentlich fein an den Matratzen horchen. Hinterher tauschen Michi und ich ganz schön private Geschichten aus, die einen starken Bezug zum Text des Stücks haben. Wir hätten aus seiner Sicht das Genre des SPIRITUELLEN PUNKROCKS erfunden. Ja, es SEI ein religiöser Song. Mein lieber Herr Kommerzienrat, für diesen Aspekt mal Appreciation einzuheimsen, das hätte ich mir auch nicht träumen lassen.

Stulles und mein zum geliebten Ritual gewordenes Meditatives Abbauen zieht sich heute in die Länge: Platten signieren, Gespräche führen, den Faden verlieren und wieder aufgreifen, Kabel entwickeln, konzentriert sein. Letztes Mal, in der anderen Bundeshauptstadt, ist viel Kleinkram vor Ort liegen geblieben, das soll heute unterbleiben. Wir sind ja nicht Krösus, auch wenn das Rascheln der Euroscheine, die Gäde im Pennplatz auf den Tisch schüttet, für einen kurzen Moment einen schludrigen Scherenschnitt in die Stille der Bonner Nacht schnippelt. Bonne Nuit!

[...]

Die A5. Bob Mould und die ewig wiederkehrende Wahrheit: LINKS DIE VOGESEN, RECHTS DER SCHWARZWALD. Stundenlang Lieder auf den USB-Stock gezwirbelt, und dann kommt Matze Kochs ALDI-Car-LoFi-System mit dem Dateiformat nicht klar. Digitale Luxusproblemwelt. Bern, wir kommen.

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