Hamburg, 11.06.2016

Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Phasen. Vor allem in lockeren Gesprächen übers Elterndasein, wie dem, daß Larsi & ich unmittelbar vor unserem rumpelnden Aufbruch mit Knarfis Angetrauter Sanne führen, kommt man da immer wieder drauf. Aber auch als gestandener Partikularerwachsener are we going in'n'out of phase, und KZIMALPP befinden sich gerade mitten in ihrer Equipment-Vergesser-Phase. Diesmal hat's das Dreibein für die tiefe Tom erwischt. Hat Matze Koch die Trommel von abgezwirbelt und das Stativ schön in Altenholz verschimmeln lassen. Dafür leiste ich mir nach der Streßbrett-Pleite aufem Wilwarin, über die ich immer noch nachgrübele, eine ca. halbstündige Diva-Phase während des Setuppens und verweigere mich zischend jeder Impro-Lösung - bis Matze Koch einen seiner zahlreichen Biz-Kontakte aktivieren kann, einen jungen Mann, der seit 48 Std. wach ist und uns eine astreine Standtom aus seiner Gartenlaube in den Astra-Puff reicht. Spielt natürlich auch in einer Band; namens "Liedfett" (oder "Lead, fett?") - kenn' ich nicht, aber ich komm' auch nicht mehr hinterher in diesem Celebrity-Zyklon, der seit ein paar Monaten um uns rumtobt. Unsere Post-Zenith-Phase: Golf spielen mit Fritze Wepper, Pastorentochter und Inge Scheel aufer Gästi (beide nicht dagewesen) und evtl. kurz vor Weihnachten inner Freiheit spielen...


Spätestens viertel vor neun ist die Stube so voll, daß es eigentlich nicht mehr geht. Keine Luft mehr zwischen den schnappatmenden Körpern. KNARF RELLÖM, dem ich nach dem Abfassen dieser Zeilen ohne Umschweife eine Freundschaftsanfrage schicken werde, und DJ PATEX legen gegen 21:00 Uhr los. Viel mehr als Knarfs echo-veredelte Ansage über gute Ansagen (z.B. die des Hells-Angels-Präsis, als die Goldenen Zitronen mal auf einem Festival dieses muckeligen Männerbundes spielten: "Früher war immer die Frage: Beatles oder Stones? Und für uns Rocker war natürlich klar: Stones! Heute scheint eher die Frage zu sein: Goldene Zitronen oder Modern Talking? Hier sind DIE GOLDENEN ZITRONEN!" - kann man sich kaum vorstellen, aber wenn Knarf sowas erzählt, muß es wahr sein)...kriege ich gar nicht mit, weil ich die prä-Konzert-Phase nur zu gern nutze, um launigen Small- bis Semi-deep-talk mit Leuten aus meinem Raumzeitquadranten zu halten, z.B. mit Bart Simmons, der uns quasi fast noch nie gesehen hat und dessen voller Punk-und-Maloche-Terminkalender heute Abend noch weiß war; oder mit Alex Tsitsigias, den ich vor knapp 10 Jahren das letzte Mal sah und dank dem ich jetzt weiß, daß Schrottgrenze wieder aktiv sind.


Gig-Time vor Fan-Crowd: So macht das Feierabendrock-Antistarleben natürlich Spaß, und wir sind auch deutlich besser beieinander als auf dem Wilwarin. Alle Menschen in dieser Sardinenbüchse haben irgendwie Bock, es riecht nach Pisse, Schweiß und Strom. Toller Auftritt! Aber durch was für ein Musikunterdrückungsgerät quetscht der heutige Mischmeister bloß unser Behringer-Gelöte?! In der Phil-Collins-Passage von "Teufel Geld" will immer irgendein Gate zumachen, klingt wie die Beinpresse inner Muckibude. Da fragste dich wieder "Watisdalos?", während es von vorne Szenenapplaus gibt. Immerwatneues. Schätzungsweise nach dem ersten Drittel atme ich reines Kohlendioxid ein, so daß mir, wie so oft, beim 2. Ref von "Leb So" the air wegbleibt. Teile des Publikums springen in die Bresche. Bei "Berg hoch" ruiniere ich mich dann völlig, um vor "HalloLebenAus" anzukündigen, nunmehr bereit zu sein, mich VÖLLIG zu ruinieren - aber da bin ich eigentlich schon durch mit der Sportbereifung und verwalte meinen sterbenden Körper. Nach dem Konzert bin ich so naßgeölt, daß selbst langjährige Freund_innen von mir vor Hello-Hugs zurückschrecken. Ich bin 2 Öltanks. Diesmal sind's zur Abwechselung Balkan-Pop-DJs, für deren Schicht wir lieber gestern als gleich die Bühne freischuften sollen. Vorletztes Mal im Wendland waren's Feuerartisten aus Rostock. Alles egal, Hauptsache keine Bands aus Holland.


Dann geht alles schnell: Mobiliar in den Bulli poltern und feststellen, daß man wohl gerade in die Scheiß-Packordnung-Phase kommt, Piepen zusammenkratzen, multiple Verabschiedungen. Ich erzähle Michael Roth, daß ich gern mal mit ihm auf ein Michael Rother-Konzert gehen würde, falls der je nach Hamburg kommt. Knarf bedenkt uns mit liebevollen Blicken und ebensolchen Worten: Er habe uns auf dem Schirm und sei uns wohlgesonnen. Das geht uns runter wie Fritzcola mit Zucker. Schon schön, wie diese Beziehung sich gehalten hat und gewachsen ist, seit dieser Typ in meiner von Mutti hochgezogenen Spießerkaschemme eine Dose Ravioli über der Küchenzeile ausgekippt hat. Wir kutschieren die Standtom und ihre Bezugsperson zurück in die Gartenlaube und bohren uns in die Nacht. Durch die Ritzen im Bus pfeift der Fahrtwind. Mein müdes & kontaktbesoffenes Gehirn macht, daß dieses Szenario anmutet wie ein in sich geschlossenes Palomaversum; als könnten wir unendlich lange, ein ganzes Leben lang auf irgendeiner dunklen, leeren Autobahn durch den Nieselregen bratzen, immer auf der Suche nach der nächsten Spelunke mit Steckdose. Ich hatte diesen Text, der in der Postapokalypse situiert war, mit uns als einziger überlebender Band, Shows auf der Leuchturminsel, einem Abschied aus Kiel für immer, einem neverending Tingeltangel, bis wir starben, wiedergeboren wurden und seitdem als vierdimensionale Hyperwesen durch die Galaxis tourten. Muß ich mich ma wieder ran...

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